Project Description

POSTOPIA
Superficial Surface Observation in a Postdigital Age

interaktive Videoinstallation
4K Video, Projektion, Mehrkanalton, Zuschauerbank,
Videokamera, Computer, Software, Live-Videokey-Technologie

Postopia Teaser

POSTOPIA ergründet die Besonderheiten von zwischenmenschlicher Kommunikation und die Position des Einzelnen in einer von Technologien geprägten Gesellschaft. Postopia untersucht die Rolle des Menschen im postdigitalen Zeitalter, in dem biologische, kulturelle und digitale Systeme zusammenspielen und thematisiert den Einfluß digitaler Technologien auf kulturelle Veränderungen und das daraus resultierende Bild beziehungsweise Selbstbild des Menschen.

Postopia zeigt Filmaufnahmen kombiniert mit Live-Videobildern, die die betrachtenden Personen im Ausstellungsraum zeigen. Mittels Videokameras werden die Betrachter in die Projektion und damit in die Handlung eingebunden. Das Publikum wird somit zum Protagonisten des Geschehens. Die Zuschauer werden zu Hauptfiguren und gleichzeitig zu den Erzählern der Handlung. Beide Filmebenen, das gedrehte Material und das Live-Videomaterial verschmelzen zu einem einheitlichen Video. Die Filmaufnahmen zeigen Luftaufnahmen des unbebauten menschlichen Aktionsraums, die Natur die ihn umgibt, beispielweise seine Lebensumgebung, sein Habitat, seine Rückstände, wie etwa die Bearbeitung der Landschaft, die Spuren die der Mensch in der Landschaft hinterlässt und die sich in einer veränderten Oberfläche zeigen.

Diese Landschaftsaufnahmen, gefilmt mit einer Kameradrohne, zeigen den „natürlichen“ Lebensraum des Menschen und dessen Auswirkungen auf die Erdoberfläche und stellen dabei ein unvoreingenommenes und möglichst wahrheitsgetreues Bild der natürlichen Lebens-umgebung dar. Ausgehend von der Annahme, dass wir uns im Zeitalter des Anthropozäns befinden, in dem der Mensch als formgebende Kraft agiert, werden diese Landschaftsaufnahmen in Form eines langsamen Abtastens der Oberfläche als ruhige Kameraflüge gefilmt und zeigen ein neutrales und gleichwertiges Bild der Welt aus einer erhabenen und fast übermenschlichen Perspektive in der der Mensch zwar eine formgebende aber untergeordnete Rolle einnimmt.

Die Drohnenvideos bestehen aus vertikalen Luftaufnahmen ohne Kameraschwenks oder Zooms und zeigen die Oberfläche der Erde als hochästhetische und kontemplative Bildwelten. Die menschlichen Eingriffe in die Natur und die Ästhetik der Kultivierung wird in abstrakt wirkenden Bildern visualisiert. Die Schönheit und Geometrie des Alltäglichen wird durch die Luftaufnahmen sichtbar gemacht. Dabei wird der urbane Lebensraum ausgelassen und nur der „natürliche“ Lebensraum des Menschen gezeigt. Der Mensch selbst ist in diesen Szenarien meist abwesend. Die gezeigte Oberfläche in Form des Bodens ist auf Grund seiner Bedeutung für die Lebensmittelproduktion, seiner Filter- und Speicherfunktion für Wasser und Nährstoffe sowie seiner Lebensraumfunktion eines der kostbarsten Güter der Menschheit.

Diese ästhetischen Bildwelten werden durch „Bildstörungen“ in Form von Zwischenschnitten und der Einbindung von Live-Videomaterial unterbrochen. Es kommt zu einem kurzfristigen Szenen- und Perspektivenwechsel, der nun den Betrachter, bzw. die Betrachterin zeigt. Dieser Blickwinkel zeigt die Zuseher im Ausstellungsraum als passive Beobachter, die im Hintergrund immer anwesend waren und sich durch den Kamerawechsel nun selbst als Teil der Handlung erkennen.

Das Live-Videomaterial wird so in die Filmaufnahmen „eingekeyt“, dass diese miteinander verschmelzen und als ein einheitliches filmisches Werk erscheinen. Das Live-Material, und die Zwischenschnitte, die als kurze„Bildunterbrechungen“ visualisiert werden, sind ein Kontrapunkt zu den vertikalen Landschaftsaufnahmen, da nun für kurze Momente der Mensch im Zentrum des Geschehens steht. Die Gegenschüsse zeigen den Betrachter eingebettet in bühnenhaft inszenierte Innenräume, die als Metapher für digitale Aufenthalts- und Lebensräume gelesen werden können. Die Betrachter sind dabei durch Glasfronten, Fenster oder Gitter von der Außenwelt abgetrennt.

Als Analogie zu den Drohnenaufnahmen, die das Habitat aufnehmen, stellen diese „Bildstörungen“ ein Abbild der Menschen dar. Die Rolle der Betrachter ist passiv, da die Personen nicht wissen, dass sie gefilmt werden. Somit tritt ein Überraschungseffekt ein, der das Publikum mit dem gezeigten Bildmaterial auf intensive Weise konfrontiert und in eine unmittelbare Beziehung stellt; ein interpassives Erlebnis entsteht. Postopia stellt dabei nahe und ferne Bildwelten in Zusammenhang. Somit ist, zum einen der Mensch im Bild und produziert ein Abbild, zum anderen ist er außerhalb des Bildes, ist aber der Produzent des Abgebildeten. Aus Sicht des Menschen handelt es sich um eine aktive und eine passive Ansicht, obwohl in der Landschaftsaufnahme auch der Mensch vorab aktiv war.

Die Installation Postopia stellt Beobachtung und Gesehenes in ein neues Verhältnis zueinander. Die betrachtende Person taucht unvermittelt ins Geschehen des Gesehenen ein und ertappt sich selbst als Konsumentin oder Konsument mit passiver Zuseherrolle. Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung führen somit auf subtile Weise zu einem resonanten System zwischen Subjekt und Objekt, das Beobachterin und Beobachter zu Beobachteten werden läßt.

Die „Störsignale“ in der der Zuseher als aktiver Bestandteil in den Film live eingebunden wird, führen durch die Beobachtung der Beobachtung in eine Selbstwahrnehmung und somit in eine Selbstreflexion, die einen temporären Blick auf ein System von ausserhalb der eigenen Wahrnehmung zu ermöglichen scheint. Postopia führt die Wirkungsweise des Verhältnisses von Mensch und seiner Umwelt vor Augen. Die Allgegenwart des Internets, als kulturelle Geisteshaltung, hat längst das Netz verlassen und die physische Welt erobert und wird zu einer Attitüde einer ganzen Gesellschaft. Wir leben in einer weitestgehend digitalisierten Welt, in der sich die Gegensätze zwischen analog und digital aufzulösen beginnen.

Unentwegt werden große Mengen an visuellem Material produziert und in den Speichern der Sozialen Medien gelagert und für die User für einen schnellen Konsum bereitgestellt. Diese Fülle an Daten, die mittels digitaler Medien versendet werden, beeinflußt unsere Art zu Denken und uns zu erinnern. Die generierten Bildwelten führen zu veränderten Möglichkeiten von Selbstbeschreibung und Selbstdarstellung und dadurch letztendlich auch zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung.

Wir nehmen uns primär über Andere wahr und die Anderen nehmen wir zunehmend über Medien wahr. Die Wahrnehmung des Selbst entsteht somit zunehmend in medialen und virtuellen Räumen. Realität existiert nicht unabhängig von uns Menschen, sondern vielmehr hat jeder Mensch einen Anteil an seiner Wirklichkeitsgestaltung. Durch das stetige Nutzen und Beobachten von Daten und Bildern auf unseren omnipräsenten Bildschirmen wird das Imaginäre zunehmend wichtiger und verändert unseren Blick auf uns selbst und auf die Welt um uns herum.

Die Betrachter in Postopia werden sowohl zu Ich-Erzählern, als auch zu scheinbar passiven Beobachtern in den Spiegelbildern der digitalen Screens, die in Postopia auf die Bilduniversen der eigenen Erinnerung in den Köpfen der Zuseher verweisen. Die Installation versteht sich als Denkanstoß zu neuen Erkenntnissen über sich selbst, aber auch über den Menschen im Kontext seiner Welt, in die er eingebettet ist.

 

Ursprünglich als militärisches Überwachungsinstrument entwickelt, ermöglicht die Drohne einen “First Person View”, der zuvor in dieser Form nicht möglich war. Das Videomaterial von Postopia verwendet somit Technologien, die einen neuen Blickwinkel auf den Menschen gewähren. Postopia zeichnet dabei ein gegenwärtiges Bild vom Menschen in seiner Umwelt und zeigt natürlich anmutende Landschaften und Menschen als Abdruck des Digitalen. Analog zur Veränderung unseres Planeten durch den Menschen verändert sich auch die Kommunikation und Wahrnehmung auf der Bild- und Abbildungsebene. Beide Projektionsebenen, die Drohnenaufnahmen und das Live-Material, beschäftigen sich mit der Oberfläche, sie tasten diese genau ab, können und wollen dabei aber ganz bewußt oberflächlich bleiben.

Postopia thematisiert den Paradigmenwechsel der bildwiedergebenden Techniken und die veränderten Wahrnehmungsebenen, die dadurch entstehen. Es werden somit nicht nur Erdschichten freigelegt, sondern auch die Erfahrungsebenen erweitert. Diese veränderte Form der Bilddarstellung führt zu einer Transformation der Welt in andere Perspektiven.

Bei Postopia geht es um unsere Erde, den Boden unter unseren Füßen, die Schichten die wir zusammen- und wieder abtragen, um unsere Lebenswelten zu ermöglichen. Es geht aber auch um die zunehmende Komplexität von Bildmedien und visueller digitaler Kommunikation. Somit tragen die Menschen die Landschaft, die sie gleichzeitig zum Überleben benötigen und verändern. Es ist ihr Lebensraum, in dem sie sich befinden und den sie prägen. Eine Unterscheidung zwischen digitaler und physischer Welt wird dabei obsolet.

 

POSTOPIA Folder

 
 

POSTOPIA Teaser

 
 

POSTOPIA Folder English

 
 

Proposal Postsensation

 

 

 

Postopia wird gefördert von Land Steiermark