Project Description

Concinnity Faktor

Interaktive Videoinstallation / Interactive Video Installation

die von sufismus beeinflußten lehren des kaukasischen autors, komponisten und choreographen georg iwanowitsch gurdjieff (1873-1949) waren darauf ausgerichtet, das illusionäre selbstbild des menschen zu zerschlagen und ihn als ein von mechanischen reflexen gesteuertes maschinenwesen zu entdecken. gurdjieff unterschied vier zentren im menschen: bewegungs-, denk-, gefühlszentrum und den bewegungsapparat. der aus tiflis (georgien) stammende künstler und illustrator alexander de salzmann gestaltete 1919 poster und programmentwurf für gurdjieffs „institut zur harmonischen entwicklung des menschen“ in paris. gurdjieffs sehr umstrittene theorien und dessen metaphorische darstellungen in salzmanns visualisierungen sind geprägt von unterschieldlichen geistigen strömungen. neue künstlerische denkweisen (futurismus, suprematismus, jugendstil, expressionismus, neue sachlichkeit, …) und neomanierismen beeinflußt von industrialisierung und technologischem fortschritt entstehen fast gleichzeitig in europa und prägen diese zeit ebenso wie die entwicklung von psychoanalyse und kontroversielle geisteshaltungen um 
esotherik und spiritualität. zur jahrhundertwende hinterfragte man erstmals die stellung des menschen in einer mittlerweile stark von technologien geformten gesellschaft (fließband, ersatz der dampfmaschine durch elektroantrieb)

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die installation concinnity faktor wiederholt diese frage in der bildsprache der jahrhundertwende und ersetzt
die darstellung des in harmonie lebenden menschen (innerhalb der kreisform des bildes) in de salzmanns
illustration durch den direkten kamerablick auf den betrachter und bindet ihn somit unmittelbar in die fragestellung ein.

*concinnity _ harmonische zusammenfügung

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eine für den besucher kaum erkennbare minikamera ist unmittelbar neben der projektion an der wand angebracht und filmt jede person, die vor der installation steht und sich das bild ansieht.
anstatt der leeren weißen fläche ist bei annäherung das auf den besucher gerichtete bild der videokamera zu sehen. innerhalb des zentralen kreises im mittelpunkt der illustration erkennt sich der betrachter selbst als spiegelbild in form eines unmittelbaren videos, das auf schwarze konturlinien und weißen hintergrund reduziert ist. somit führt das videobild die ästhetik des druckes fort 
und läßt beide komponenten als eine visuelle und inhaltlich verschmolzene einheit erkennen.

skizze installation